Werkstattgruppe Politik - "Wir müssen reden!" - verstehen wir als offenes Forum im privaten Raum. Als Möglichkeit, regelmäßig über uns und die Welt zu sprechen, über Konflikte und Krisen, über den Schutz unserer Umwelt oder unsere Daten...

Unter dem Projekttitel "Wir müssen reden" haben wir die Werkstattgruppe Politik gegründet, um unserem Bedürfnis Ausdruck zu verleihen, die immense Flut an Nachrichten im Negativen wie im Positiven für uns zu sortieren und einzuordnen. Die vielfachen Aufgaben und Belastungen im Beruf, Beziehung und Familie lassen kaum Raum für das Hinterfragen von Entwicklungen in Politik, Kultur und Gesellschaft. Weil wir vielerorts Durck spüren, öffnen die Werkstattgespräche "Wir müssen reden!" einen Ort der Reflexion, der Möglichkeit für entschleunigtes Denken und für klare Erkenntnisprozesse. Ein Raum, der der Kunst dient, soll auch der Kommunikation und Diskussion Platz geben. Jeweils für ein Thema pro Abend, stets politisch und überparteilich, gefüttert durch eigenes Vorwissen, durch Lesetipps, Referentenvorträge, durch Zuhören und Zusammenarbeit. Ein Austausch, der Mut machen soll, seine eigene Meinung zu finden, zu bestärken oder zu überprüfen. Und der Impulse geben kann für ein politisches Engagement auch außerhalb der Werkstatt, in Gruppen, Initiativen oder Netzwerken. 

Die Werkstattgruppe Politik trifft sich zur Vorbereitung weiterer Aktionen im Jahr 2018 regelmäßig, im Moment sind dies: Christiane Berg, Teresa Häuser, Bärbel Harrach, Clemens Krause, Volker Stephan, Tina Suthues, Katja Weber, Mariele Wischer. Weitere Mitglieder sind herzlich willkommen! Bitte direkt bei Teresa Häuser melden: 0251/26596979.

Chronik:

Am öffentlichen Gesprächsabend am 17.6.2016 sprach Olaf Bernau von "Interact Afrique Europe" über die verschiedenen Ursachen der Flucht. Der Abend beleuchtete die Situation der Fliehenden, wenn sie in den Maghreb-Staaten angekommen sind, untersuchte die Haltung der jeweiligen Regierungen gegenüber den Fliehenden und zog das Verhältnis von EU und Maghreb-Staaten in die Betrachtung mit ein. Welche Maßnahmen verbessern/verschlechtern die Situation der Fliehenden, was davon dient einer reinen europäischen Abschottungspolitik, wie steht es um den Status der Maghreb-Staaten als "sichere Herkunftsländer"?

 

Informiert wurde außerdem über ein besonderes Projekt des Netzwerkes Afrique-Europe-Interact. Es handelt sich hierbei um ein Rasthaus, in dem geflüchtete Frauen und ihre Kinder vorübergehend Zuflucht finden. Auf die besonders zugespitzte Situation von Frauen, die den sexuellen Übergriffen von Schleppern und Mitreisenden ausgesetzt sind, soll dabei eingegangen werden.

 

Wer, die an diesem Abend besprochenen Themen zur Politik der EU zu Marokkos, aber auch zu den Staaten Ostafrikas, vertiefen will, kann sich dazu Texte und Videos auf der Webseite von Afrique-Europe-Interact abrufen. Dies geht am besten von folgendem Link, von dem aus alles Weitere gefunden werden kann:


afrique-europe-interact.net/55-0-Frontex-Grenzregime.html


Innerhalb dessen seien jedoch zwei Links ausdrücklich hervorgehoben: In dem Menüpunkt "Karthoum-Prozess" sind unter anderem mehrere Beiträge von Monitor, Report Mainz, Pro Asyl verlinkt.


In dem Menüpunkt "Marokko" gibt es zudem den Verweis auf drei Videos, die sich mit der Situation in Marokko beschäftigen. Neben dem kurzen Zaun-Video, der preisgekrönte Film "The Land Between", der auch mit deutschen Untertiteln frei zugänglich ist und der die Situation jener Geflüchteten und Migrant_innen in Marokko schildert, die in den Wäldern an der Küste oftmals jahrelang leben und hoffen, auf die eine oder andere Weise nach Europa zu gelangen.

 

Vortrag von Olaf Bernau am 23.6.2017

Was treibt die vielen Tausenden Menschen aus Afrika in die Boote der Schlepper und in die Todesfalle Mittelmeer? Um Halbwissen und Vorurteilen zu begegnen und neue Sichtweisen zu ermöglichen, laden wir, der politische Aktionskreis der "Werkstatt Kinderhaus" zu einem Vortrag mit dem Bremer Diplom-Soziologe Olaf Bernau über die Ursachen der Flucht von Afrika nach Europa sprechen.

Bernau will zeigen, dass der alte Kolonialismus zwar beendet zu sein scheint, sein Erbe aber in neuen Abhängigkeiten weiterlebe. Noch immer diene Afrika weitestgehend als billiger Rohstofflieferant für den „Westen“, von dem Reichtum an Bodenschätzen haben weite Teile der armen Bevölkerung nichts. Die EU flute die Märkte sowohl mit Hühnchen und Gemüse zu Dumpingpreisen als auch mit teuren Industrieprodukten. Und der Internationale Währungsfonds lege Programme auf, die Afrika mit der immer weiter fortschreitenden Öffnung seiner Märkte teuer bezahle. So würden ausländische Unternehmen den Kontinent um seine Ressourcen berauben, ohne in angemessener Weise Steuern oder Lizenzgebühren zu entrichten.

Heute, so Bernau, kollabiere das Gesundheitssystem vieler afrikanischer Staaten, die Lebensverhältnisse seien zunehmend desaströs und die Perspektivlosigkeit treibe die Menschen in die Flucht. Im transnationalen Netzwerk Afrique-Europe-Interact (AEI) arbeitet Olaf Bernau daran mit, die Rechte von Migrant/innen in Afrika und Europa zu stärken.

Jüngstes Projekt ist die Finanzierung eines „Alarmphones Sahara“, das in der Wüste gestrandeten Migrant/innen aus ihrer lebensbedrohlichen Situation retten will. Das Notruftelefon wird aktuell von einheimischen Aktiven in Burkina Faso und Niger konzipiert und soll zum Beispiel durch einen Rettungs-Jeep flankiert werden, dessen Anschaffung etwa 25.000 Euro kostet und durch Spenden finanziert werden soll.

 

Vortrag von Olaf Bernau am 4.5.2018

 

Thema: Flucht aus Afrika: Warum das koloniale Erbe Europas bis heute nachwirkt. Wie kann eine verantwortungsvolle Politik zur Bekämpfung von Fluchtursachen und zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Afrika beitragen?

In seinem Vortrag zeigte Olaf Bernau den direkten Zusammenhang zwischen den gesellschaftlichen Verhältnissen im heutigen Afrika und den langfristigen Auswirkungen des Kolonialismus auf. Das koloniale Erbe ist auch über 50 Jahre nach der Unabhängigkeit der meisten afrikanischen Staaten eine schwere Hypothek.

Vieles spricht dafür, dass die gesellschaftlichen Grundlagen für schlechte Regierungsführung, ethnische Konflikte, ungleiche Handelsverhältnisse oder Fixierung auf Rohstoffexporte während des Kolonialismus gelegt wurden. Gleiches gilt für den bis heute wirksamen Rassismus, der ein Produkt von Sklaverei und Kolonialismus ist.

Olaf Bernau erläuterte am Beispiel einiger afrikanischer Staaten, wie Fluchtursachen angemessen bekämpft werden können. Dazu müssten die im Kolonialismus entstandenen Dominanz- und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Afrika und Europa offen benannt werden.

Diese Veranstaltung entstand in Kooperation mit dem Eine-Welt-Forum Münster und dem „Sachausschuss für Gerechtigkeit und Weltkirche“ der Gemeinde Hl. Kreuz, Münster. Sie wurde gefördert mit Mitteln des Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und dem Katholischen Fonds.

 

Am 13.5.2018 veranstalteten wir in Kooperation mit der Initiative "Münster Stadt der Zuflucht" einen Flashmob, der die Online-Petition "Zuflucht 370 Geflüchtete zusätzlich aufnehmen" unterstützen soll. Wir fordern, dass Münster über seine Verpflichtungen hinaus die symbolische Zahl von 370 Geflüchteten aufnimmt, um ein Zeichen für europäische Solidarität zu setzen!

 

Weitere Links:

www.afrique-europe-interact.net

united against rasicm

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